Gedenken an antisemitische Pogrome « „Roter Baum“ e.V. Zwickau

Gedenken an antisemitische Pogrome

Mit zwei Veranstaltungen wird am Montag der Pogromnacht von 1938 gedacht

In Deutschland wurden während der Novemberpogrome etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen nochmals Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in der Shoah an den europäischen Juden mündete.

Jüdischer Friedhof | 09.11.09 | 16.00 Uhr

Ablauf:
1. Kranzniederlegung am Denkmal durch einen Vertreter der Stadt Zwickau und Teilnehmer
2. Rezitation Herr Sieber, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. Zwickau
3. Worte der Mahnung und des Gedenkens durch Frau Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß
4. Psalm: Vertreter der Kirchen – Herr Superintendent Dittrich, Evangelisch-lutherischen Kirche und Herr Pfarrer Welscher, Römisch-Katholischen Kirche
 
Georgenplatz | Gedenktafel | 09.11.09 | 17.00 Uhr

Ablauf:
1. Musikstück, Schüler des Robert-Schumann-Konservatoriums
2. Niederlegung der Gebinde
3. Rezitation, Frau Stroisch, Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten e.V.
4. Worte des Gedenkens:
Vertreter des DGB-Region Vogtland-Zwickau – Abstellen der Kerze (Windlicht)
Herr Bürgermeister Bernd Meyer – Abstellen der Kerze (Windlicht)
Herr Pastor Brückner, Evangelisch-Methodistischen Kirche – Abstellen der Kerze (Windlicht)
Frau Grünendah, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. Zwickau – Abstellen der Kerze (Windlicht)
5. Rezitation, Frau Stroisch, Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten e.V.
6. Musikstück, Schüler des Robert-Schumann-Konservatoriums
Verantwortlich für die inhaltliche Gestaltung:DGB

Die Verfolgung der Juden in Zwickau durch die Nationalsozialisten

1933
am 1. April zogen erste Schlägertrupps der SA und SS vor jüdischen Geschäften auf, randalierten und forderten die Bevölkerung nachdrücklich zum Judenboykott auf. Eine Auswanderungswelle begann. Juden durften keine öffentlichen Veranstaltungen mehr besuchen. So entschloss man sich in Zwickau, ein Gemeindeheim einzurichten.
Das Schloss Osterstein wurde als berüchtigtes Gefängnis der SS eingerichtet. Insgesamt 750 Menschen waren dort inhaftiert: politische Gegner, andere missliebige Personen und jüdische Einwohner. „Oft konnten die Bewohner in den anliegenden Straßen wegen der Schreie der gefolterten Häftlinge nachts nicht schlafen.“

1935
Nürnberger Gesetze

1936
von 57 Wegzügen der Israelitischen Gemeinde, verzogen 11 innerhalb Deutschland, 22 nach Palästina, 17 innerhalb Europas und 7 nach Übersee

1938
Am 27.10. wurden die Juden, die nur einen polnischen und keinen deutschen Pass besaßen, in einer „Sonderaktion“ aus ihren Wohnungen geholt, auf dem Georgenplatz zusammen getrieben, mit Bussen nach Chemnitz auf den Bahnhof transportiert und von dort an die polnische Grenze gebracht. Dort aber erlaubten die Polen den völlig Besitzlosen die Einreise nicht. Diese Maßnahme betrafen 68 Personen aus Zwickau.
Nach ihrem Abtransport wurden die Wohnungen und der zurückgelassene Besitz inventarisiert. So wurde er öffentlich versteigert. Der Erlös wurde dem Oberfinanzpräsidenten in Leipzig überwiesen. Devisen, Schmuck, Edelmetalle und andere Wertgegenstände wurden direkt nach Leipzig überwiesen und gingen so in den Besitz des Reiches über.
In der Pogromnacht vom 8. auf den 9. November wurde die Synagoge in der Burgstraße 10 niedergebrannt. Es gelang der Gemeinde die Thora Rollen in Sicherheit zu bringen und so vor diesen Anschlägen zu bewahren. Jüdische Geschäfte wurden durch die SA zertrümmert, etwa 100 Juden wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt.
In diesem Jahr fanden zahlreiche Enteignungen und Zwangsverkäufe, basierend auf dem Erlass vom 15. November 1935, statt.

1939
ab Juni wurde ein Gemeindemitglied von der geheimen Staatspolizei verpflichtet, die Liquidation der Jüdischen Gemeinde Zwickau vorzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt wurden die letzten Juden aus Zwickau nach Chemnitz „umgesiedelt“.

1942
Am 20.01. entschied Bürgermeister Dost, das Haus am Adolf-Hitler-Ring 165, als so genanntes „Judenhaus“ einzurichten und dort die noch wenigen in Zwickau lebenden Juden unterzubringen. Betroffen waren vor allem Menschen, die in einer „Mischehe“ lebten. Das Haus gehörte der Familie Klein, die ihr Eigentum gemäß der Gesetzeslage zu einem Spottpreis von 500RM verkaufen musste.

1943
weiter Deportationen in die Todeslager

1945
noch im Februar wird aus Zwickau ein jüdischer Junge nach Auschwitz deportiert.

1946
leben in Zwickau noch 6 von ehemals 473 jüdischen Mitbürgern; seit 1970 gibt es keine jüdischen Bürger mehr in Zwickau.

Quelle:
Begleitmaterial zu »Das ist Esther«/ Monolog fürs Klassenzimmer von Christiane Richers/ Theater Plauen Zwickau/ Spielzeit 2009/10.

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1 Antwort auf “Gedenken an antisemitische Pogrome”


  1. 1 Klaus Wallmann sen. 17. November 2009 um 11:52 Uhr

    Da auch die in der Quelle angegebene Autorin offensichtlich aus der Broschüre „Antifaschistischer Widerstandskampf in Zwickau“ (Herausgeber: Haus der Revolutionären Zwickauer Arbeiterbewegung, ohne Jahresangabe) geschöpft hat, möchte ich auf den Artikel „Zwickau und der antifaschistische Widerstand“ (http://www.randzone-online.de/?p=2056) hinweisen. Dort finden sich weitere Ausführungen zum Gefängnis Schloss Osterstein wie auch zum Konzentrationslager der Horch-Werke, einem Außenlager des Konzentrationslager Flossenbürg.

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