„Roter Baum“ schlägt Wurzeln « „Roter Baum“ e.V. Zwickau

„Roter Baum“ schlägt Wurzeln

Zwickaus alternativer Jugendverein hat sein eigenes „Baumhaus“ gefunden
Christian Gesellmann in der Freien Presse vom 20. Dezember 2013

Zwickau – An einer Steinmauer am Dr.-Friedrichs-Ring 73 hängt ein kleines Schild aus Pappe. „Barrikade“ hat jemand darauf geschrieben. Ein Pfeil weist den Weg durch einen kleinen Torbogen zu einer Kellertür, deren Glasscheibe abgeklebt ist. Verbarrikadiert hat sich dort aber niemand. Und von Pappe ist der Keller auch nicht: Der Jugendclub „Barrikade“ ist das Domizil des Vereins „Roter Baum“, der sich mit politischer Bildungs- und Sozialarbeit gegen Rassismus einsetzt. Knapp 3000 Euro haben die Mitglieder in den Ausbau der 140 Quadratmeter großen Räumlichkeiten investiert, Toiletten, Küche, Bar und Bühne eingebaut, Wände gestrichen, Fußböden gefliest und versiegelt. Die Eröffnung Anfang Dezember feierten rund 130 Jugendliche mit einem Mini-Festival.

Knapp zwei Wochen später sitzt Daniel Geist, Vorstand des „Roten Baums“, auf einem Stuhl vor der Bühne. Aus dem Nachbarraum hört man das Klackern des Kickertisches und Fetzen einer Diskussion an der Bar. Geist muss gleich zur Nachtschicht, der 31-Jährige arbeitet bei Johnson Controls. Er wirkt zufrieden. Aber ganz angekommen ist er mit seinem Verein noch nicht: „Uns war wichtig, dass wir endlich einen festen Anlaufpunkt haben, damit wir uns für Veranstaltungen und Sitzungen nicht immer einmieten müssen“, sagt er. Rund 100 Mitglieder hat der Verein, der sich 2009 mit dem Ziel gründete, ein Alternatives Jugendzentrum (AJZ) in Zwickau zu eröffnen: Ein Haus, von Jugendlichen selbst verwaltet, mit Wohnungen und Platz für Konzerte und Workshops. 2011 schien der Traum geplatzt: Nachdem bekannt wurde, dass gegen Vereinsmitglieder wegen Hausfriedensbruch ermittelt wird, zog die Stadtspitze ihre Unterstützung zurück. Zu Verurteilungen kam es nie. „Aus Trotz“, wie Geist heute sagt, besetzten einige Mitglieder deshalb ein Haus an der Mulde. Nach einem Tag räumte die Polizei das ehemalige Schullandheim. „Die AJZ-Diskussion hat viele ermüdet. Ich wollte einfach nicht wahr haben, dass der Verein daran zerbricht“, sagt Geist. Die „Barrikade“ sei erstmal eine Übergangslösung. „Hier kann jeder herkommen, vom Punk bis zum Architekt“. Mit der Stadtverwaltung ist man längst wieder im Gespräch, gerade gab es die Zusage für eine Finanzspritze von 2000 Euro.

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