Matratzenfabrik wird Graffiti-Werkstatt « „Roter Baum“ e.V. Zwickau

Matratzenfabrik wird Graffiti-Werkstatt

Kreative Köpfe möchten Gebäude an der Mulde für Künstler herrichten
Marcus Wellnhofer in der Freien Presse vom 8. April 2014

Zwickau. Wenn Spaziergänger aus der Stadt über die Paradiesbrücke schlendern und dort nach links abbiegen, kommen sie zwangsläufig an einem alten Gemäuer vorbei. Die ehemalige Matratzen- und Polsterfabrik am Brückenberg fristet ein tristes Dasein. Eine Gruppe junger, kreativer Leute möchte das ändern und das Gebäude aus seinem Dornröschenschlaf wecken.

Plan: neues Kreativzentrum

Unter dem Titel „Urbane Kunst – Fluch oder Segen?“ diskutierten am Samstag in der Szenebar „Barrikade“ Künstler und Initiatoren des Projekts „Kunst- und Kulturfabrik“ darüber, wie in Zwickau ein neues Kreativzentrum in der Matratzenfabrik entstehen kann. Die Idee dazu hatte Architekt Sebastian Kriegsmann, dem die ehemalige Gewerbefläche gegenüber dem Muldenparadies aufgefallen war. Anfang 2013 setzte er sich mit den Eigentümern in Kontakt. Nach mehreren Gesprächen gaben diese grünes Licht, und Kriegsmann begann mit der Besichtigung des Objektes. „Nach der Einschätzung eines Statikers und eines Holzschnitzers ist die Bausubstanz sicher. An der Fassade und im Obergeschoss müsste jedoch etwas gemacht werden. Aber insgesamt ist alles gut“, sagt Kriegsmann. Obwohl die Matratzenfabrik durchaus auch Potenzial für attraktive Wohnungen bieten würde, schwebt Kriegsmann eine alternative Nutzung vor: Er möchte Künstlern auf Basis des Zwickauer Industrie-Erbes einen kreativen Arbeitsplatz ermöglichen und Ateliers einrichten. Zusammen mit René Hahn (Stadtrat Die Linke) und Streetart-Künstler Rico Gruner sind die Ideen und Planungen zur Umsetzung bereits fortgeschritten. „Wir wollen das Gebäude für möglichst viele Leute greifbar machen“, sagt Gruner. Die Räume sollen gegen die Zahlung einer geringen Miete optimal genutzt werden. „Wir möchten Zwickau sukzessive und dauerhaft bereichern. Wir haben dazu viele Ideen im Kopf“, sagt René Hahn. So wären eine Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt, eine Siebdruck-Manufaktur oder eine Form des urbanen Gärtnerns, bei dem Gemüse mit dem Ziel der Selbstversorgung angebaut wird, denkbar.

Veranstaltung am 1. Mai

Um die Initiatoren bei ihrem Vorhaben zu unterstützen und von den eigenen Erfahrungen mit solch einem Projekt zu berichten, war bei der Diskussionsrunde einer der Veranstalter der Ibug, Thomas Dietze, dabei. Er berichtete von der anfänglichen Skepsis, die auch in Meerane herrschte, als die Ibug größer wurde. Doch mittlerweile ist daraus eher Euphorie geworden. „Die Ibug im vergangenen Sommer in Zwickau muss als Türöffner für solch eine spannende Idee wie die Kulturfabrik genutzt werden. Die Leute haben gesehen, dass urbane Kunst etwas Gutes ist. Dennoch muss für so ein Projekt viel Überzeugungsarbeit geleistet und langer Atem bewiesen werden“, sagt Dietze.

Für diese Überzeugung sollen in Zukunft Aktionen wie am vergangenen Samstag sorgen. An den Mauern der Matratzenfabrik sprühten gut 20 Graffiti-Künstler ihre Kunstwerke. Übrigens ganz legal mit Genehmigung. Für Rico Gruner war das ein voller Erfolg: „Einige Spaziergänger kamen vorbei und haben sich erkundigt, was wir da machen. Die Reaktionen waren positiv.“ Am 1. Mai steht eine große Veranstaltung an der Matratzenfabrik auf dem Programm. Dabei werden Künstler aus Deutschland, Frankreich und Weißrussland Graffiti im Innen- und Außenbereich der Matratzenfabrik anbringen. Auf einem Kunst- und Kulturmarkt können Besucher stöbern, es gibt einen Graffiti-Workshop für Kinder und Livemusik von mehreren Bands.

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