Archiv « „Roter Baum“ e.V. Zwickau

Archiv für Mai 2014

Filetstücke zum Tanzen und Zuhören

Mehr als 400 Besucher haben im Klubhaus Sachsenring mit Egotronic und Feine Sahne Fischfilet gefeiert.
Christian Gesellmann in der Freien Presse vom 5. Mai 2014

Zwickau – Zum dritten Mal fand am Samstag das Festival „If the kids are united against racism“ in Zwickau statt. Und für dieses Jahr haben sich die Organisatoren um den Verein Roter Baum mit Feine Sahne Fischfilet eine Band angeln können, die nicht nur musikalisch erste Sahne ist, sondern auch zu den kontroversesten Gruppen im Musikgeschäft gehört. Die Gründe dafür sind symptomatisch für viele Probleme, mit denen auch der rund 200 Mitglieder starke Verein Roter Baum seit jeher zu kämpfen hat. Feine Sahne Fischfilet stammt aus Mecklenburg-Vorpommern und setzt sich seit Jahren aktiv gegen Rassismus und Neofaschismus ein – weshalb der Band im Verfassungsschutzbericht des Landes mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde, als den Rechtsextremen.

In einer Diskussionsrunde zum Thema Diskriminierung, an der am Nachmittag auch FSF-Sänger Jan „Monchi“ Gorkow teilnahm, wurde berichtet, dass das Engagement gegen Rechtsextreme immer wieder mit einer Stigmatisierung als Linksextremist einhergeht. „Dieses Lagerdenken ist absurd. Wir lehnen Gewalt aus jeder Richtung ab, ob von links, rechts oder aus der bürgerlichen Mitte“, sagte Gorkow. Die Band hat inzwischen ihre Erwähnung im Verfassungsschutzbericht per Unterlassungserklärung verbieten lassen. Die mehr als 400 Besucher des Festivals feierten den Auftritt der Band jedenfalls frenetisch. Mit den Elektropunkern Egotronic aus Berlin war noch eine weitere Band im Klubhaus Sachsenring zu Gast, die für ihr antifaschistisches Engagement bekannt ist. (mehr…)

An der Mulde wächst eine Paradiesfabrik

Mit Graffiti und anderem bunten Treiben ist die alte Matratzenfabrik aus ihrem Dornröschenschlaf geküsst worden.
Marcus Wellnhofer in der Freien Presse vom 2. Mai 2014

Zwickau – Operation gelungen, Patient atmet nach 24 Jahren erstmals wieder: Der erste Anlauf zur Wiederbelebung der alten Matratzenfabrik an der Mulde-Promenade ist erfolgreich verlaufen. 82 Graffiti-Künstler haben das triste Grau der Hochwasserschutzmauern mit bunten Motiven zu einem Hingucker gemacht, während im Innenhof der Fabrik ein Kunstmarkt und Musik zum Verweilen eingeladen haben.

„Der Zulauf und Zuspruch der Besucher den gesamten ersten Tag über war sehr positiv. Wir sind sehr zufrieden und hoffen darauf aufbauen zu können, um das Projekt weiter voranzutreiben“, sagte Rico Gruner, einer der Organisatoren und Ideengeber für die Revitalisierung der Matratzenfabrik. In Zukunft soll diese unter dem Namen Paradiesfabrik Künstlern und kreativen Köpfen Möglichkeiten zu schöpferischer Entfaltung bieten. „Der Standort ist ideal. Hier ist eine Insel im Zentrum, die das Potenzial hat, jungen Leuten eine kreative Bleibe zu bieten“, sagte Sebastian Kriegsmann, Architekt und Initiator des Projektes. Bis das jedoch Realität wird, sind noch einige Anstrengungen nötig und eine Vielzahl von Ideen zu diskutieren. Den Anfang hierfür machte gestern eine Diskussionsrunde darüber, was ein kreatives Zentrum in Zwickau braucht, um tatsächlich existieren zu können. Zu Wort kam dabei unter anderem Nadine Weise von der Initiative der Kunst- und Kulturwirtschaft der Bundesregierung. Sie steht Projekten wie der Paradiesfabrik beratend zur Seite. „Wichtig ist, das eine Bürgerschaft hinter so einem Projekt steht. Nur mit der breiten Unterstützung mehrerer Partner kann so etwas gelingen“, sagte sie. Sie gab zudem den Hinweis, dass eine Finanzierung zum Anschub zwar förderlich sei, doch dürfe die nicht zu lang laufen. Je eher ein solches Zentrum auf eigenen Füßen steht, umso besser kann mit kommenden Schwierigkeiten umgegangen werden, da sich niemand aus der Verantwortung stehlen könne. (mehr…)