Die Rückkehr des Punk nach Zwickau « „Roter Baum“ e.V. Zwickau

Die Rückkehr des Punk nach Zwickau

Das Störfaktor-Festival am 10. & 11. Juli mausert sich zum bundesweiten Szenetreff.
Christian Gesellmann in der Freien Presse vom 1. Juli 2015

Zwickau. Mitte Juli findet auf dem Flugplatzgelände das Festival Störfaktor statt und hebt Zwickau für ein Wochenende wieder auf die Landkarte der deutschen Punk-Szene. Rund 200 Tickets für die siebte Auflage der zweitägigen Musikveranstaltung sind bereits verkauft, „viele davon haben wir an Adressen in den alten Bundesländern verschickt“, sagt Tony Fischer, einer der Organisatoren. Auch Gäste aus dem Ausland haben sich angekündigt. Rund 700 Teilnehmerzusagen zählt die Facebook-Seite derzeit. „Einige kommen schon seit dem ersten Jahr zu jedem Störfaktor. Viele helfen auch beim Auf- und Abbau“, sagt der 23-Jährige.

Das Festival ist nicht kommerziell, alle Preise so niedrig gehalten wie möglich – was nur geht, weil die Punkszene so solidarisch ist, sagt Fischer. Das Bier kostet für Festivalverhältnisse utopische 1 Euro, fürs Müllsammeln gibt es Getränkemarken, und Künstler werden privat untergebracht. Freiwillige Helfer kommen aus Dresden, Hof, Leipzig oder Plauen angereist. „Viele sagen: Punk ist tot. Aber das haben sie auch schon 1979 gesagt. Klar ist heute alles weniger dreckig und mehr Lifestyle. Aber das ist auch überhaupt nicht schlimm“, findet Fischer. Er ist selbst Sänger und Gitarrist der Deutschpunkband Klostein, betreibt das Musiklabel Schockeffekt Records, und als Mitglied des Vereins „Roter Baum“ ist der hochgewachsene Siebdruck-Azubi in den letzten Jahren an vielem beteiligt gewesen, was alternatives Leben in der Region ausmachte: ob beim Streetsoccer-Cup auf dem Hauptmarkt, den Festivals „If the kids are united“ und Ibug oder im mittlerweile wieder geschlossenen Jugendclub „Barrikade“ – Fischer hatte eine helfende Hand im Spiel.

Der Name Störfaktor für das Festival entstand, weil die Punks damals das Gefühl gehabt hätten, immer nur als Störenfriede wahrgenommen zu werden. Die Zwickauer Szene schrumpfte in den letzten Jahren stetig, weil viele in die Großstädte zogen und es ihr an Veranstaltungsorten mangelte. Für besetzte Häuser – wie zu Hochzeiten der Zwickauer Punk-Kultur in den 90er-Jahren – ist die Stadt heute tatsächlich zu ordentlich, zu kontrolliert. Während die erste Auflage des Störfaktors allerdings noch illegal stattfand, ist Fischer heute praktisch per Du mit dem Ordnungsamt – und erhielt dieses Jahr als erster Veranstalter überhaupt die Ausnahmegenehmigung, länger als Mitternacht machen zu dürfen. „Das bedeutet vor allem längere Spielzeiten für die Bands – und davon haben alle etwas: Publikum, Caterer, Musiker.“

16 Bands werden diesmal beim Störfaktor auftreten, darunter auch Gruppen aus Frankreich, Italien und Griechenland. „Auf Bands aus dem Ausland haben wir immer Bock. Es ist lustig, sich auch mal in einer anderen Sprache unterhalten zu können, Erfahrungen auszutauschen. Und warum soll man nicht mal versuchen, den Leuten Zwickau schön zu machen?“ Empfindet er sich nach sechs reibungslos verlaufenen Festival-Auflagen überhaupt noch als Störenfried? „Als Punker wird man immer noch schräg angeguckt. Aber ein paar Leute haben inzwischen mitbekommen, dass wir doch nicht so scheiße sind“, sagt Fischer.

Das 7. Störfaktor-Festival findet am 10. und 11. Juli auf dem Zwickauer Flugplatz statt. Der Eintritt kostet 18 Euro an der Abendkasse (Zelten inklusive). Infos unter: www.stoerfaktor-festival.de.vu

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