»Shoah« « „Roter Baum“ e.V. Zwickau

Anlässlich der Demokratietage 2010 in Zwickau zeigen Jugendverein „Roter Baum“ e.V. und Gesellschaft für christl.-jüd. Zusammenarbeit den Film »Shoah« von Claude Lanzmann.

Von 1974 bis 1985 arbeitete Lanzmann an »Shoah«. Das neuneinhalbstündige epochale Werk erhielt weltweit große Aufmerksamkeit. Bei der deutschen Fernsehpremiere sahen aber seinerzeit nur zwei Prozent der Zuschauer den Film. Die vierteilige Dokumentation über den Holocaust ist äußerst eindrucksvoll.

Während der Dreharbeiten fand Lanzmann die Stätten der Vernichtung am Ende der Siebziger vor; die Spuren drohten langsam zu verschwinden. Der Regisseur hat den Film um das Verschwinden der Spuren und das Fehlen der Bilder konstruiert. Das verwendete Bildmaterial setzt sich aus Interviews mit Überlebenden, Tätern und anderen Augenzeugen und Aufnahmen der ehemaligen Orte der Vernichtung zusammen. Dennoch rekonstruiert der Filmemacher nicht in erster Linie das Vergangene. Er verfolgt die Spur der Verbrechen in der Gegenwart und zeigt
die Verletzungen, die die Überlebenden noch immer mit sich tragen. Lanzmann betont daher, keinen Dokumentarfilm gedreht zu haben. »Shoah« ist vielmehr ein Film über die Unmöglichkeit, einen Dokumentarfilm über den Holocaust zu drehen. Um das Schweigen zu überwinden, das Unaussprechliche kenntlich zu machen, lässt Lanzmann die Überlebenden in Rollen schlüpfen. Rollen, die sie bereits in den Vernichtungslagern spielen mussten, beim Schneiden der Haare, beim Singen für die Offiziere.

»Sie wissen gar nichts,
sondern kennen lediglich die Resultate: Sie wissen,
daß sechs Millionen Juden umgebracht worden sind,
das ist alles.«
:Claude Lanzmann.

Lanzmann fordert mehr vom Zuschauer als die meisten anderen Filme zum Thema. Er zeigt gerade das, was in Dokumentationen sonst ausgespart wird: das Schweigen, den Prozess des Erinnerns, abgebrochene Gespräche, in denen den Überlebenden die Stimme versagt. »Ein Film wie ›Shoah‹ altert nicht. Er bekommt keine Falten, weil er seine eigene Aktualität schafft«, sagte Lanzmann 2002 in einem Interview. In der Tat bleibt der Film eine wichtige Alternative zu bekannten Formen der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Samstag, 24. April:
12.00 Uhr: Teil 1, Gebetssaal (ehem. Synagoge), Bahnhofstr. 8, 08056 Zw.
15.30 Uhr: Teil 2, Priesterhäuser, Domhof 6, 08056 Zwickau
18.30 Uhr: Teil 3, Schloß Osterstein, Schloßgrabenweg 1, 08056 Zwickau

Sonntag, 25. April:
13.00 Uhr: Teil 4, Alter Gasometer (Barterre), Kl. Biergasse 3, 08056 Zwickau
15.30 Uhr: Vortrag & Diskussion zu „Modernem Antisemitismus“, Barterre

Eintritt frei!

Veranstalter:
Jugendverein „Baumhaus“ Zwickau e. V.
Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Zwickau